Die Entscheidung für die Liebe

Kennst du das auch? Du wachst morgens auf, du hast die Augen noch nicht geöffnet da sind sie schon längst in Aktion: Die kleinen und großen Probleme des kommenden Tages, all’ die Dämonen und Urteile, die Anstrengungen um Erfolg und Anerkennung und darum ein guter und richtiger Mensch zu sein. Und dann in der Tiefe unsere Sorgen um unser eigenes Überleben und das unserer Liebsten.

Im Handumdrehen ist es vorbei mit der wohligen Wärme und Geborgenheit. Wir befinden uns in unserem ganz persönlichen Weltkrieg und urteilen dann über Andere, die Kriege anzetteln. Aber der Krieg hat schon begonnen in uns, in unseren Gedankenstrukturen und Überlebensprogrammen …und meistens bemerken wir ihn garnicht, weil wir an diesen Krieg in uns ja so gewohnt sind.

Unser Reptiliengehirn ist auf Kampf oder Flucht gebürstet, gelegentlich auch auf Totstellen, was ebenfalls eine Form von Flucht ist. Fight or Flight sind Kinder der Angst und letzten Endes der Trennung von unserer Essenz.

Wenn wir ganz ehrlich sind vermitteln uns diese Gedanken ein Gefühl von Sicherheit und Halt. Dennoch ist Angst die Würgeschlange, die uns an wahrer Lebendigkeit, an der Liebe und Freude hindert.

Die Angst hat viele Gesichter: Angst zu versagen, Angst nicht gut genug zu sein, Angst vor Einsamkeit und Verlust, Scham, Schuld usw.

Aber ist Kampf und Flucht immer der richtige Umgang mit der Enge in uns? Wie wäre es, wenn wir mal etwas vollkommen Neues ausprobierten? Wie wäre es, wenn wir der Angst vielleicht zum ersten mal wirklich ins Auge schauen würden, wenn wir den Mut aufbrächten sie wirklich fühlend anwesend an uns heranzulassen, sie mit aller Liebe die uns zur Verfügung steht zu umarmen?

Wer das schon mal ausprobiert hat wird festgestellt haben, dass sich plötzlich etwas in uns entspannt: es geschieht Heilung.

Dies ist die Entscheidung für die Liebe. Sie ist die einzige Antwort auf unser Leiden. Liebe beginnt da wo wir alles beiseite räumen, was wir vor unser liebendes Herz gestellt haben. Nur dort finden wir Gnade und Mitgefühl für unsere innere Verlorenheit und ZACK – wir fühlen wieder unsere Verbundenheit mit der Existenz. Wer hätte das gedacht?

Liebe ist das, wonach wir so sehr dürsten und uns dennoch am meisten fürchten. Sie zerstört unsere mühsam aufgebauten Überlebensstrategien, unser Recht-haben-wollen, unser Vergleichen und unsere Bewertungen, ja unseren ganzen Überlebenskampf.

Wir können Liebe jedoch nicht „machen“, wir können lediglich unseren Kopf neigen und die Liebe bitten, die Führung in unserem Leben zu übernehmen. Sie ist der einzig wahre Erfolg und wartet in uns. Sie liebt uns so sehr, dass sie uns unseren freien Willen lässt,- den freien Willen, und damit die  Wahl sie einzuladen, oder uns weiter in unserem Schattenboxen zu verlieren.

Wahre Liebe ist bedingungslos, sie umarmt und erlöst alles und heilt unseren kranken, einsamen Geist.

All unser Ringen um äusseren Erfolg, Besitz, Anerkennung und Macht ist ein Suchen nach Liebe, die wir paradoxerweise gleichzeitig meiden. Dann wäre ja unser lebenslanger Kampf umsonst gewesen und ein Teil von uns dann sozusagen arbeitslos!

Auch unser spiritueller Weg folgt oft erst diesem Prinzip,- wir kämpfen gegen uns selbst,- versuchen krampfhaft ein guter Mensch zu sein – und scheitern.

SUPER! Tatsächlich scheint es darum zu gehen,- um Aufgeben, Scheitern und darum den Kopf zu neigen. Dies ist wohl das Einfachste und Schwierigste zugleich,- der Liebe selbst den Weg frei zu machen und alles beiseite zu räumen was wir vor sie gestellt haben.

Wir sind längst geliebt. Gnade und Mitgefühl sind Gesichter der Liebe, Freude ist ihr Ausdruck.

Noch einmal,- wir werden unsere inneren „Monster“ nicht los durch Anstrengung und Kampf. Ein Lehrer von mir sagte immer: „Vergiss’  nicht, der Feind trainiert mit.“ Ja,- das ist auch meine Erfahrung, im Kampf stärken wir das, wogegen wir kämpfen.

Wenn wir endlich aufgeben und der Liebe die Führung überlassen, werden unsere Aktivitäten von einem anderen Geist durchdrungen und unser Handeln und Sein auf dieser Erde wird ein Beitrag sein für mehr Frieden und Freude.

Es gibt keine mächtigere Motivation als das Gefühl im Dienste der Erschaffung einer Welt zu stehen, in der die Liebe alle Wunden heilt. Es ist DEIN und MEIN Auftrag hier auf dieser Erde. Frag’ deine Seele, frag’ dein Herz,- ich bin mir sicher, du hörst den Ruf.

Hier noch ein Zitat von Steven Jobs am Ende seines Lebens, es berührt mich immer wieder:

„Ich habe den Gipfel des Erfolgs in der Geschäftswelt erreicht…

Jetzt, angesichts des Todes, weiss ich, dass wir uns komplett anderen Fragen im Leben stellen müssen, die mit diesem Erfolg nichts gemeinsam haben…

… womöglich sind es zwischenmenschliche Beziehungen, womöglich Kunst, womöglich auch Träume in unserer Kindheit, womöglich die Liebe selbst.“

Ganz herzliche Grüsse,

Johanna

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3 Gedanken zu “Die Entscheidung für die Liebe

  1. Danke Johanna! Der Worte haben mich sehr berührt und an mein Sohn erinnert, der gerade bei mir ist und schläft. Die liebe sprüht förmlich aus ihm heraus, und ich darf daran teilhaben und davon lernen! Wie wunderbar! Herzlichst Steffen

  2. guten morgen liebe Johanna,

    toll geschrieben!
    ja, das kenne ich.
    morgens, nach dem aufwachen …
    und wenn wir uns dann einfach nochmal umdrehen und das weiche warme fühlen.
    uns dann auf das konzentrieren was auch da ist, die geborgenheit.
    dann kann der tag ganz anders beginnen.
    herzliche Grüße
    kerstin

  3. …Ja unerschütterlich weiter lieben, egal, was ist.
    Das heißt niemals, daß ich nicht auch etwas missbillige und eine klare Linie (nicht Grenze, nicht Mauer) ziehe.

    Doch auf dieser Linie weiter liebe.

    Liebe gibt es gar nicht, sie ist kein Gefühl und somit keine Welle, die hoch und runter geht.
    Liebe ist ein Zustand des Seins.

    Übrigens JA sagen ist sehr einfach.
    Da bejahenden wir oft einen Zustand, den ich angenehm empfinde.

    Liebe bedeutet auch NEIN zu sagen.

    Beim NEIN fängt der Mut zur wahren Liebe oft erst an.

    Einen Menschen heiraten und nur zum JA, JA sagen ist einfach.
    Beim “ Heiraten“ eines Partner, einer Arbeit oder eines Wohnortes ist es so, daß ich nicht die a n g e n e h m e n Erscheinungen heirate.
    Für mich ist einzig die Frage: Kann ich das, was ich unangenehm empfinde, heiraten.

    Daraaa

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